Ladeinfrastruktur einfach erklärt: Komponenten, Lademodi, Normen und SIA 2060
Komponenten, Lademodi, 3.7-kW-Grenze für einphasiges Laden, NIV, NIN 2025, SIA-2060-Ausbaustufen und Kosten nach Bedarf: Ladeinfrastruktur in der Schweiz.
Aubin Aycaguer, Chief of Staff, Voltaback3. Nov. 2026

Ladeinfrastruktur ist die gesamte Installation, die Strom vom Netz bis ins Elektroauto bringt: Hausanschluss, Verteiler, Schutzeinrichtungen, Zuleitung, Ladepunkt und meist auch Lastmanagement und Messung. Die Ladestation oder Wallbox ist nur der sichtbare Teil davon.
Dieser Beitrag erklärt Schritt für Schritt jede Komponente, die vier Lademodi und die in der Schweiz üblichen Steckdosen, die Leistungsgrenzen der Netzbetreiber, wer installieren darf (NIV, NIN 2025, Sicherheitsnachweis), die Ausbaustufen nach SIA 2060 und was eine Installation nach Bedarf kostet. Voltaback begleitet über 200 Unternehmen beim Laden ihrer Elektroflotten. Wir installieren keine Ladestationen, helfen aber bei der Wahl der passenden Lösung pro Mitarbeitenden und vergüten danach das Laden zu Hause zu effektiven Kosten.
Stand: 2. November 2026.
Ladeinfrastruktur oder Ladestation: Was ist der Unterschied?
Ladeinfrastruktur bezeichnet das ganze System, Ladestation, Ladesäule oder Wallbox das Gerät an der Wand oder auf dem Sockel. Eine Ladestation ohne korrekt dimensionierte Zuleitung, ohne passende Schutzeinrichtung oder ohne Meldung beim Netzbetreiber darf nicht in Betrieb gehen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
- Kosten: In bestehenden Einstellhallen kosten Zuleitung und Verteiler oft mehr als die Wallbox selbst.
- Verfahren: Gemeldet und kontrolliert wird die Elektroinstallation, nicht das Gerät.
- Ausbaufähigkeit: Eine gut vorbereitete Infrastruktur (Ausbaustufen nach SIA 2060) erlaubt später zusätzliche Ladepunkte ohne grosse Bauarbeiten.
Aus welchen Komponenten besteht eine Ladeinfrastruktur?
1. Netzanschluss
Am Anfang steht der Hausanschluss des Verteilnetzbetreibers (VNB), etwa EKZ oder ewz im Kanton Zürich, BKW in Bern, CKW in der Zentralschweiz, IWB in Basel oder SAK in St. Gallen. Die verfügbare Anschlussleistung bestimmt, wie viel Ladeleistung ohne Verstärkung möglich ist.
2. Verteiler und Zuleitung
Die Ladestation wird über einen eigenen Stromkreis ab Haupt- oder Unterverteiler versorgt. Der Leiterquerschnitt richtet sich nach Leistung und Leitungslänge. In Einstellhallen versorgt häufig eine horizontale Hauptleitung (Flachkabel) mehrere Plätze, an die jede Ladestation einzeln angeschlossen wird.
3. Schutzeinrichtungen
Die Niederspannungs-Installationsnorm (NIN, SN 411000) gilt in der Ausgabe 2025 seit dem 1. Januar 2025. Teil 7.22 regelt die Stromversorgung von Elektrofahrzeugen. Jeder Ladepunkt braucht einen eigenen Überstromschutz und einen Fehlerstromschutz, der auch Gleichfehlerströme erfasst: entweder einen RCD Typ B oder eine in der Ladestation integrierte 6-mA-DC-Erkennung in Kombination mit einem passenden RCD. Die konkrete Wahl trifft der Elektroinstallateur.
Quelle: Electrosuisse, Broschüre E-Mobilität.
4. Ladepunkt
Das ist die Ladestation mit ihrem Stecker. Standard für Wechselstrom ist in Europa der Typ-2-Stecker. Das Ladekabel ist entweder fest an der Station montiert oder wird mitgebracht.
5. Lastmanagement
Bei mehreren Ladepunkten verteilt ein Lastmanagement die verfügbare Leistung so, dass der Hausanschluss nicht überlastet wird. Es gibt zwei Varianten:
- statisch: feste Grenzwerte pro Ladepunkt oder Gruppe;
- dynamisch: Grenzwerte werden laufend aus Messungen am Hausanschluss berechnet.
Beide sorgen ausserdem für eine symmetrische Belastung der Aussenleiter. Das Handbuch Ladeinfrastruktur des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) empfiehlt für Wohnbauten etwa folgende Ladeleistungen:
Anzahl Ladepunkte | Absicherung | Empfohlene Ladeleistung gesamt |
|---|---|---|
1 bis 5 | 13 A | 9 kW |
6 bis 14 | 16 A | 11 kW |
20 bis 29 | 32 A | 17 kW |
30 bis 39 | 40 A | 22 kW |
50 bis 99 | 80 A | 55 kW |
ab 100 | 160 A | 111 kW |
Quelle: Stadtwerk Winterthur, Merkblatt Elektromobilität. Andere Gebäudearten können eine andere Dimensionierung brauchen.
6. Backend
Vernetzte Ladestationen sind mit einer Software-Plattform verbunden, meist über das offene Protokoll OCPP. Das Backend verwaltet Badges, Zugriffsrechte, Abrechnung und Störungsmeldungen. Auf einem gemeinsam genutzten Firmenparkplatz ist das sinnvoll, zu Hause selten nötig.
7. Messung
Wer Strom an Dritte weiterverrechnet oder den Verbrauch des Fahrzeugs getrennt erfassen will, braucht einen Zähler, idealerweise MID-zertifiziert, in der Station oder im Verteiler. Manche Förderprogramme verlangen das: Basel-Stadt etwa setzt für seine Beiträge einen Werkzähler voraus.
Die vier Lademodi und die Schweizer Steckdosen
Die internationale Norm IEC 61851 unterscheidet vier Lademodi. In der Schweiz kommt die Frage der Haushaltsteckdosen dazu, die sich von jenen der Nachbarländer unterscheiden.
Lademodus | Anschluss | Richtwert Leistung | Einsatz in der Schweiz |
|---|---|---|---|
Modus 1 | Haushaltsteckdose ohne Schutzeinrichtung im Kabel | gering | Velos und Roller, nicht Autos |
Modus 2 | Steckdose T13, T23 oder CEE mit Kabel und integrierter Steuerbox | rund 2.3 kW an T13; 3.7 kW an T23 oder CEE 16 A einphasig; bis 11 kW an CEE rot dreiphasig | Notlösung oder langsames Laden zu Hause |
Modus 3 | Fest installierte Ladestation, Typ-2-Stecker, Wechselstrom | 3.7 bis 22 kW | Standard zu Hause und auf dem Firmenparkplatz |
Modus 4 | Schnellladestation mit Gleichstrom (CCS) | 50 bis über 300 kW | Autobahn, Schnellladeparks |
Haushaltsteckdosen T13 und T23 sind nicht für stundenlangen Dauerbetrieb ausgelegt. Netzbetreiber raten davon ab, sie für regelmässiges Laden zu verwenden. Sicherer ist eine vom Installateur montierte CEE-Industriesteckdose oder eine Wallbox. Unser Vergleich der besten Steckdose für das Elektroauto zeigt die Varianten im Detail.
Welche Ladeleistung: von 2.3 bis 22 kW
Die Werkvorschriften der Netzbetreiber (WV-CH) enthalten eine Schweizer Besonderheit: Einphasiges Laden ist auf 3.7 kW (230 V, 16 A) begrenzt, zweiphasiges auf 7.4 kW. Die in anderen Ländern verbreitete einphasige 7.4-kW-Wallbox ist hier also keine Standardlösung. Über 3.7 kW wird dreiphasig geladen.
Leistung | Anschluss | Energie in 8 Stunden | Reichweite bei 18 kWh/100 km |
|---|---|---|---|
2.3 kW | einphasig, T13 (Notlösung) | rund 18 kWh | rund 100 km |
3.7 kW | einphasig 16 A | rund 30 kWh | rund 160 km |
11 kW | dreiphasig 16 A | rund 88 kWh | volle Batterie bei den meisten Modellen |
22 kW | dreiphasig 32 A | volle Batterie | nur sinnvoll, wenn das Fahrzeug 22 kW AC aufnimmt |
Rechenbeispiel: Für 40 km Arbeitsweg pro Tag braucht ein Fahrzeug mit 20 kWh/100 km rund 8 kWh. Bei 3.7 kW dauert das etwa 2 Stunden 10 Minuten. Die meisten Geschäftsfahrzeuge laden also mit kleiner Leistung problemlos über Nacht, was auch das Netz schont.
Zwei weitere Regeln gelten bei den meisten Netzbetreibern:
- Ab 3.7 kVA muss die Ladestation vom Netzbetreiber ansteuerbar sein, meist über einen Rundsteuerempfänger.
- Über 11 kW muss der Netzbetreiber die Installation in der Regel vorgängig bewilligen. Bis 11 kW genügt meist die Meldung.
Quellen: Stadtwerk Winterthur, CKW, gesetzliche Vorgaben für Ladestationen. Die Details unterscheiden sich je nach Netzbetreiber. Ihr Elektroinstallateur kennt die Vorgaben für Ihre Gemeinde.
Wer darf eine Ladestation installieren?
Eine fest installierte Ladestation ist eine elektrische Niederspannungsinstallation. Die Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV, SR 734.27) erlaubt solche Arbeiten nur Inhabern einer Installationsbewilligung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI). In der Praxis beauftragen Sie einen konzessionierten Elektroinstallateur.
Der Ablauf Schritt für Schritt:
- Vor den Arbeiten: Der Installateur reicht beim Netzbetreiber ein technisches Anschlussgesuch (TAG) und eine Installationsanzeige (IA) ein. Meldepflichtig sind alle Ladestationen, auch mobile Geräte an einer bestehenden Steckdose.
- Während der Arbeiten: Die Installation entspricht der NIN 2025, insbesondere Teil 7.22.
- Nach den Arbeiten: Der Installateur erstellt einen Sicherheitsnachweis (SiNa) mit Mess- und Prüfprotokoll und übergibt ihn Eigentümer und Netzbetreiber.
Mitarbeitende dürfen eine Wallbox also nicht selbst montieren, auch wenn sie online gekauft wurde. Wie Sie Offerten von Elektroinstallateuren einholen und vergleichen, zeigt die Seite Installation einer Ladestation.
Die Ausbaustufen nach SIA 2060
Das Merkblatt SIA 2060 «Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden» beschreibt fünf Stufen, vom Leerrohr bis zur ladebereiten Station:
Stufe | Was gebaut ist |
|---|---|
A (Pipe for power) | Leerrohre, Kabeltrassen, Platzreserve im Verteiler |
B (Power to building) | Anschlussleitung, die für die Ladeleistung ausgelegt ist |
C1 (Power to garage) | Hauptleitung in der Einstellhalle, höchstens 3 m von jeder künftigen Ladestation |
C2 (Power to parking) | Zuleitung bis zur Position jeder künftigen Ladestation |
D (Ready to charge) | Ladestation montiert und ladebereit |
Das Merkblatt ist an sich nicht verbindlich. Verbindlich wird es, wenn ein Kanton darauf verweist, wie Bern (Art. 56a BauV) oder Neuenburg seit Juli 2024. Welche Kantone was verlangen, steht in unserem Beitrag zur Pflicht für Ladestationen in der Schweiz.
Einfamilienhaus, Stockwerkeigentum oder Firmenstandort
Einfamilienhaus | Mehrfamilienhaus (Miete oder StWE) | Firmenparkplatz | |
|---|---|---|---|
Typischer Ladepunkt | CEE-Steckdose oder Wallbox 11 kW | Wallbox an gemeinsamer Hauptleitung | Mehrere Stationen 11 bis 22 kW, evtl. Schnelllader |
Zustimmung | Keine, ausser Meldung an den VNB | Miete: schriftliche Zustimmung des Vermieters (Art. 260a OR). StWE: Beschluss der Versammlung, in der Regel doppeltes Mehr (Art. 647d ZGB) | Vermieter, falls das Unternehmen Mieter ist |
Lastmanagement | selten | fast immer | fast immer |
Messung | zum Laden nicht nötig | nötig für die Kostenverteilung | nützlich für Aufteilung und Weiterverrechnung |
Wer zahlt den Strom | Mitarbeitende, Vergütung durch den Arbeitgeber | Mitarbeitende über die Nebenkostenabrechnung | das Unternehmen direkt |
Quelle StWE: BFE und EnergieSchweiz, Leitfaden Stockwerkeigentum.
Das Vorgehen im Stockwerkeigentum erklärt unser Leitfaden zur Ladestation im Stockwerkeigentum. Ein Anspruch auf eine Grundinstallation für Mietende und Stockwerkeigentümer ist auf Bundesebene in Vorbereitung, aber noch nicht beschlossen.
Was kostet Ladeinfrastruktur nach Bedarf?
Nicht alle Mitarbeitenden brauchen eine vernetzte Ladestation. Unser Simulator für die passende Installation rechnet mit folgenden Schweizer Annahmen, die Sie anpassen können:
Installation zu Hause | Annahme im Simulator | Anteil der Fahrenden |
|---|---|---|
Starkstromsteckdose (CEE oder T23) an geeigneter Leitung | CHF 600.– | 50 % |
Nicht vernetzte Wallbox | CHF 1'800.– | 30 % |
Installation bereits vorhanden | CHF 0.– | 20 % |
Durchschnitt nach Bedarf | rund CHF 840.– pro Fahrzeug | |
Vernetzte Ladestation (zum Vergleich) | rund CHF 3'000.– pro Fahrzeug |
Rechnung: 0.5 × 600 + 0.3 × 1'800 + 0.2 × 0 = CHF 840.–. Bei 50 Fahrzeugen beträgt die Differenz zu einer Ausrüstung mit vernetzten Stationen über CHF 100'000.–. Detaillierte Preisspannen finden Sie im Beitrag zu den Kosten einer Wallbox-Installation zu Hause.
Die Beträge sind Grössenordnungen. Der effektive Preis hängt von der Distanz zum Verteiler, vom Zustand der bestehenden Installation und von den Vorgaben des Netzbetreibers ab. Kantonale und kommunale Förderbeiträge gibt es vor allem für Mehrfamilienhäuser.
Braucht es eine vernetzte Ladestation, um Heimladen zu vergüten?
Nein. Die Steuerverwaltung verlangt einen verlässlichen Nachweis der kWh und ihres Preises, kein bestimmtes Gerät. Eine vernetzte Wallbox ist nur eine von mehreren Messmethoden, und die teuerste.
Voltaback ist eine reine Softwarelösung. Die Ladedaten werden direkt aus dem Fahrzeug gelesen (über 48 angebundene Marken) und mit dem effektiven Tarif des Mitarbeitenden bewertet: Hoch- oder Niedertarif, Solarstrom, Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Voltaback stützt sich auf den MID-zertifizierten Zähler des Haushalts, nicht auf einen separaten Kabelzähler. Die Messung wurde von einer unabhängigen Stelle geprüft, mit einer relativen Abweichung von 1.22 %.
Das Unternehmen erhält nie Standortdaten der Fahrenden, was die Einhaltung des nDSG vereinfacht. Voltaback ist seit dem 2. Dezember 2025 nach ISO 27001 zertifiziert. Den vollständigen Vergleich der Optionen zeigt unser Beitrag zur vernetzten Ladestation für Flotten.
Häufige Fragen zur Ladeinfrastruktur
Zur Ladeinfrastruktur gehören Hausanschluss, Verteiler, Schutzeinrichtungen, Zuleitung, Ladestation und je nach Situation Lastmanagement, Backend und Zähler. Die Ladestation ist nur ein Teil davon.
Ja, als Notlösung mit einem Modus-2-Kabel und rund 2.3 kW. Für regelmässiges Laden empfehlen Netzbetreiber eine CEE-Steckdose oder Wallbox vom Installateur, da Haushaltsteckdosen nicht für stundenlangen Dauerbetrieb ausgelegt sind.
Die Werkvorschriften der Netzbetreiber begrenzen einphasiges Laden auf 3.7 kW, um Schieflasten im Netz zu vermeiden. Wer mehr Leistung braucht, installiert eine dreiphasige Station, zum Beispiel mit 11 kW.
Nur ein Installateur mit Installationsbewilligung nach NIV, in der Praxis ein konzessionierter Elektroinstallateur. Er meldet die Anlage vor Beginn beim Netzbetreiber an und erstellt danach den Sicherheitsnachweis.
Ja, alle Ladestationen sind meldepflichtig, mit technischem Anschlussgesuch und Installationsanzeige. Über 11 kW verlangen die meisten Netzbetreiber eine vorgängige Bewilligung.
Es sind fünf Stufen der Vorbereitung eines Parkplatzes: A (Leerrohre), B (Anschlussleitung), C1 (Hauptleitung in der Einstellhalle), C2 (Zuleitung bis zum Platz) und D (ladebereite Station). Verbindlich sind sie nur, wenn ein Kanton oder eine Gemeinde darauf verweist.
Nach Bedarf ausrüsten, effektiv vergüten
Gute Ladeinfrastruktur richtet sich nach der Nutzung: kleine Leistung über Nacht zu Hause, Lastmanagement auf gemeinsamen Parkplätzen und keine vernetzte Wallbox dort, wo ein verlässlicher kWh-Nachweis genügt.
Sie verantworten eine Flotte in der Deutschschweiz? In 30 Minuten klären wir mit Ihnen die passende Installation pro Mitarbeitenden und die effektiven Kosten des Heimladens: Gespräch mit Voltaback vereinbaren.
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